Ein verändertes Bestattungsverhalten, die Demographie und alternative Bestattungsformen und Orte sorgen dafür, dass der Friedhofsbetrieb immer weniger in der Lage ist, die Betriebskosten zu decken. In zahlreichen Kirchengemeinden der Region stellen die Kirchengemeinderäte dies fest. Auch in der Kirchengemeinde Kosel hat man dies beobachtet und über etliche Jahre ein Defizit aufgebaut. „Aber wir wollen etwas bewegen“, sagt Margarete Salzburg, Vorsitzende des Friedhofsausschusses der Kirchengemeinde. Ausschussmitglied Manfred Radke ergänzt, dass man viele Ideen habe und der Wille zu Veränderungen da sei.

Bereits im Vorjahr war in der Kirchengemeinde mit den politischen Gemeinden Kosel, Fleckeby, Güby und Hummelfeld viel über die drei Friedhöfe gesprochen worden. Nachdem der Friedhof in Fleckeby mit rund zwei Hektar Fläche bereits pflegeleichter und mehr als Park gestaltet wurde, soll nun die Anlage in Kosel mit knapp über einem Hektar Fläche neugestaltet werden. Der dritte ist in Louisenlund, er hat eine Fläche von 0,44 Hektar. So fragten bereits Gemeindeglieder in Kosel nach, die gerne eine friedwaldartige Fläche zur Bestattung wünschen. Die Idee wurde aufgegriffen, ein kleiner Lindenhain ist Teil der Anlage in Kosel. Erklärtes Ziel der Kirchengemeinde ist es, so eine Alternative zu Friedwäldern zu schaffen.

Angedacht wird, dass Familien sich einen Baum als Familienbegräbnisbaum auswählen können. Alleine, dass man über den Friedhof spricht, er immer wieder ein Thema ist und zwar nicht vor allem wegen des Defizits, das hat sich schon positiv ausgewirkt, davon ist Margarete Salzburg überzeugt. So sank der Unterschuss  aus dem Betrieb aller Friedhöfe der Gemeinde in 2017 auf rund 1500 Euro. In diesem Jahr geht man von einer schwarzen Null aus, was in der Kirchengemeinde als sehr erfreuliches Ergebnis betrachtet wird. In den beiden Jahren gab es im Schnitt etwas über 20 Urnenbestattungen und etwa 18 Sargbestattungen.

Um vor allem dem Trend zu mehr Urnenbestattungen, anonym oder mit Namensplatte, gerecht zu werden, soll das vorhandene Urnengräberfeld mit Namensplatten vergrößert werden. Dabei soll es auch pflegeleichter mit Bodendeckern gestaltet werden. So könnten Angehörige Blumen oder andere Andenken an den Namensplatten ablegen. Die Fläche ist vom Rasen abgetrennt

Vorteile des Friedhofs im Ort Die Vorteile einer Bestattung auf dem lokalen Friedhof gegenüber Seebestattungen oder in Friedwäldern liegen auf der Hand, sagen Salzburg und Radtke. Es ist die Nähe zum Wohnort, er ist leicht ohne Auto erreichbar, die Wege sind weniger uneben als im Wald, es gibt einen Ort zur Trauer (Seebestattung), es gibt ein beheiztes WC am Friedhof, man trifft Bekannte und Nachbarn, kommt in Kommunikation und ist nicht alleine. Und man kann oft und kurz vorbei schauen, gerade so wie es nötig ist, ergänzt Margarete Salzburg.

Im Zuge der umfassenden Sanierung der Kirche sieht die Planung auch Arbeiten auf dem Friedhof vor, um das Kulturgut zu erhalten und aufzuwerten. Dazu sollen die drei Eingänge neu hergerichtet werden, die vorhandenen Mauern und Tore sind in einem schlechten Zustand. Teilweise sind Steine ausgebrochen, die Metallkreuze abgebrochen oder falsche Kreuze wurden verwendet, wie Salzburg festgestellt hatte.

Ganz wichtig ist dem Friedhofsausschuss, dass das Ambiente der Anlage wieder attraktiv wird. Der Friedhof soll viel mehr sein, als nur ein Ort der Trauer. Es soll Spaß machen, ihn beim Spazierweg zu erkunden und die Natur zu entdecken. Viele Bänke laden zum Verweilen ein. Der auf den Stock gesetzte Knick an der Nordseite lässt den Blick in die kuppige Landschaft zu. An den Bäumen werden Nistkästen installiert und mehrere alte Kastanien sollen in rund fünf Metern Höhe gekappt werden, um als Habitatbäume Insekten, Vögeln und Kleinsäugern als Lebensraum zu dienen.

Zur Neugestaltung gehört auch die Wiederanlage des historischen Wegeplans. So war der Friedhof ursprünglich in Schiffsform angelegt worden. Vor Jahren war ein Mittelweg, der vom westlichen Eingang des Friedhofs bis zum Rundturm hinaufführte, mit Erde zugeschoben und Rasen gesät worden. Er soll wieder freigelegt werden.

Außerdem hat der Friedhofsausschuss bereits im Dezember eine rund 150 Quadratmeter große Rasenfläche gemulcht. Auf ihr sollen spezielle Blumen für eine Bienenweide ausgesät werden. Das Saatgut hat der Kirchenkreis bereits bereitgestellt. Der Friedhof soll auch durch die Anlage von Staudenflächen und mehr Sträuchern vielfältiger werden. Natürlich soll alles pflegeleicht sein, um den Aufwand zu reduzieren, so die Mitglieder des Friedhofsausschusses.

Es gibt viele Ideen und gute Ansätze stellte Kosels Pastorin Susanna Kschamer jüngst bei der Gemeindeversammlung fest. Die Kirchengemeinde möchte zeigen, dass  sie handelt und sich ernsthaft um die Senkung der Kosten des Friedhofs bemüht.

Man könne von den politischen Gemeinden nicht erwarten, dass sie sofort einspringen, um das Defizit der Vorjahre zu tilgen, ergänzt Margarete Salzburg. Sie hätten einen langen Weg vor sich, um mit viel Eigenengagement den Friedhof zukunftssicher zu gestalten. Für diesen Weg stellten sie jetzt die Weichen. Kleine Erfolge und das große Miteinander in der aktiven Kirchengemeinde machten ihnen Hoffnung.

Videos und mehr Fotos auf www.shz.de/lokales/eckernfoerder- zeitung/mehr-attraktivitaet-fuer-die- letzte-ruhestaette-id22364477.html

219 | 90 Wolfgang Dreesen
Letzte Aktualisierung: 28.01.2019

Quellenangabe und Copyright:
28.01.2019 | Dirk Steinmetz | Eckernförder Zeitung, shz.de
https://zeitung.shz.de/eckernforderzeitung/1998/