Es ist bald November, und dennoch blühen in Weseby und Bohnert auf etlichen Hektar Fläche zarte blaue Pflanzen. Bienen und einige Falter schwirren umher und auch Wild steht zahlreich in den Beständen und äst. Für Tobias Hansen (35), Landwirt aus Eschelsmark, ein mehrfacher Grund zur Freude. Erstmalig hat Familie Hansen in diesem Jahr die Phacelia (Bienenweide) als Zwischenfrucht und Gründüngung auf rund 40 Hektar Fläche eingesät. „Die Pflanze hat einfach viele Vorteile“, sagt Hansen, der seit gut zehn Jahren im Familienbetrieb aktiv ist.

Bisher hatten sie nach der Ernte des Weizens die Flächen gepflügt und die Äcker den Herbst und Winter über schwarz gelassen, bevor spätestens im April der Mais bestellt wurde. Diese Zeit überbrücken sie nun mit der Pflanze, die ursprünglich aus Amerika stammt. So dient die Phacelia vielen Insekten und vor allem Bienen als Nektarspender in der sonst fast blütenlosen Spätherbst-Landschaft. Daher wird die Pflanze auch als Bienenweide bezeichnet, sagt Hansen. Darüber hinaus bindet die Pflanze auf dem Acker verbliebene Nährstoffe in ihrer Biomasse. Da das Gewächs nicht winterhart ist, beendet der erste Frost ihre Vegetationsphase. Vor der Einsaat des Mais` wird der Boden einmal gepflügt und die Phacelia als Biomasse eingearbeitet. Zudem lockert die Pflanze mit ihren tiefreichenden Wurzeln den Boden auf und verdrängt andere unerwünschte Beikräuter, führt Hansen die Aufzählung der Vorteile fort.

Darüber hinaus sei eine solche Phacelia-Wiese ein Leckerbissen und Magnet für das Wild. Sehr oft hat er schon selbst Rehwild und Hasen in den Flächen gesehen, und „befreundete Jäger berichteten von ähnlichen Beobachtungen.“ Hansens Idee: So könnte man das Wild im Herbst von den Straßen weglocken, wo es besonders in der Dämmerung gefährliche Verkehrssituationen auslöst. Schließlich sieht die Landschaft mit solch blühenden Flächen sehr viel schöner aus als nur schwarze Flächen, sagt er.

Die Zwischensaat wird von der EU in einem Förderprogramm Gründüngung mit 70 Euro Zuschuss je Hektar gefördert. Der deckt die Kosten nicht mal zur Hälfte, wie Hansen vorrechnet. So kalkuliert er 40 Euro je Hektar Saatgut und rund 100 Euro je Hektar für die Bodenbearbeitung. Dennoch steht für Tobias Hansen fest, dass er auch ohne den Zuschuss die Zwischenfrucht beibehalten will. Die Vorteile seien einfach sehr groß, stellt er fest. Zugleich hofft er auf weitere positive Effekte, die er aber erst dann feststellen könne, wenn die nächste Ernte von den Flächen eingefahren werde. So könnte der Düngerbedarf durch die eingearbeitete Biomasse geringer sein und auch der Ertrag könnte steigen, da die Bodengare (Idealzustand eines fruchtbaren Bodens) durch die tiefe Durchwurzelung verbessert werde. Hansen ist zuversichtlich und freut sich jetzt über das vielfältige Leben auf den Flächen.

Dirk Steinmetz
805 | 328 Wolfgang Dreesen
Letzte Aktualisierung: 27.10.2016

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27.10.2016 | Dirk Steinmetz | Eckernförder Zeitung, shz.de
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