Kosel / Windeby.  Die Wasserlobelie, der Pillenfarn, der Moorfrosch und der Kiebitz - viele seltene und teils vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzarten sind rund um den Schnaaper See, Bültsee und die Koseler Au zu finden. Allein beim Langsee wurden jüngst 71 verschiedene Pilzarten gezählt. Etwa 250 Hektar groß ist das Gebiet, das etwa drei Kilometer westlich von Eckernförde liegt und zu den landesweit insgesamt 271 FFH(Fauna-Flora-Habitat)-Gebieten gehört. Die Vielfalt der Arten und Lebensräume in Europa soll erhalten werden, das ist das erklärte Ziel des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) und der Projektgruppe Natura 2000. Der Rückgang der biologischen Vielfalt soll durch ein organisiertes Programm aufgehalten werden. Daher soll ein Managementplan her, in dem die Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Flächen mit den Eigentümern vereinbart werden. 

Das Interesse war groß, etwa 120 Interessierte, überwiegend Landwirte und Landeigentümer, wollten sich am Donnerstagabend im Koseler Hof über das Projekt Natura 2000 und die damit verbundenen Auswirkungen auf die betroffenen Flächen informieren. Doch zu einer "Enteignung", wie ein Zuhörer mit seinem Zwischenruf befürchtete, wird es nicht kommen, stellte Manfred Bohlen vom LLUR gleich klar. "Der Managementplan", betonte Bohlen, wird im Einvernehmen mit den Flächeneigentümern erstellt", eine unmittelbare rechtliche Verpflichtung bestehe somit nicht. Generell müsse das so genannte Verschlechterungsverbot beachtet werden. Dieses gelte aber schon seit 2004, als die Flächen als FFH-Flächen offiziell der EU gemeldet wurden. Das Verschlechterungsverbot bedeutet, dass der Zustand des Gebietes, wie er bei der Meldung war, sich nicht verschlechtern darf. Ein Beispiel: Grünland muss auch Grünland bleiben.

In enger Kooperation mit Anliegern und Eigentümern soll im Rahmen des Managementplanes Einigung darüber erzielt werden, dass die Nährstoffeinträge minimiert, die Entwässerung nicht verstärkt wird und Grünland erhalten bleibt. "Die Nährstoffarmut zeichnet den Schnaaper See und den Bültsee aus und mach diese Flächen so erhaltenswert und artenreich", sagte Kirsten Krüger vom LLUR. Auch die kalkreichen Kollsee und Langsee bei Kosel weisen sehr seltene Pflanzenarten auf. Krüger nannte beispielsweise die Wasserlobelie, das Froschkraut, den Moorfrosch und das Bachneunauge, die in dem FFH-Gebiet entdeckt wurden. Viele der Laichkrautarten fänden sich sogar in der Rote Liste wieder. Aber auch die Vielfalt der Lebensräume mit seinen Moorwäldern, Heide- und Borstgrasrasen sei beeindruckend, sagte die LLUR-Expertin. 

Der südliche Bereich der Schlei ist dem FFH-Gebiet Schlei zugeordnet, für das sich Dr. Wiebke Sach vom Deutschen Verband für Landschaftspflege, zuständig zeichnet. Rund 8700 Hektar misst das Gebiet von Schleimündung bis zum Selker Noor. Neben einem schmalen Streifen entlang des Schleiufers fallen in ihr Untersuchungsgebiet auch die seltenen Salzwiesen.

Auch auf diesen Flächen seien mit dem Knabenkraut, dem Klappertopf oder dem Kiebitz und Rotschenkel Arten heimisch, die es zu schützen gelte. 

In einem Managementplan sollen unter anderem die Maßnahmen aufgeführt werden, die zum Ziel, der Erhaltung der Vielfalt, beitragen. Dazu gehöre die Extensivierung der Gründlandflächen, der Rückhalt von nährstoffreichem Wasser und das Anlegen von Gewässerschutzstreifen. Als Anreiz gebe es beispielsweise Natura-2000-Prämien, die Landwirte als Ausgleichszahlungen für ökologische Leistungen erhalten. So könnte eine Fläche für eine extensive Dauerbeweidung zur Verfügung gestellt werden.

In den kommenden Monaten soll ein Vorentwurf des Managementsplanes vorliegen, der dann den Anliegern, Nutzern und Eigentümern vor- und zur Diskussion gestellt wird, erläuterte Manfred Bohlen die weitere Vorgehensweise in dem Verfahren. Es sollen möglichst alle örtlichen und regionalen Gruppen - Jäger, Angler, Landwirte, Touristiker - an dem Prozess beteiligt werden. Im Anschluss daran wird es erneut öffentliche Veranstaltungen geben, in dem der Plan vorgestellt wird. Danach erfolge die Vorlage beim Umweltministerium zur Genehmigung. 

Informationen zum Projekt Natura 2000 gibt es bei Manfred Bohlen, Tel. 04347/704453 oder Dr. Wiebke Sach, Tel. 04602/9678338. Es besteht auch die Möglichkeit zu engeren Mitarbeit an dem Managementplan.

3070 | 626 Wolfgang Dreesen
Letzte Aktualisierung: 10.03.2013

Quellenangabe und Copyright:
26.01.2013 | Achim Messerschmidt | Eckernförder Zeitung, shz.de
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