„Feiert so, wie immer“ – das war der Auftrag, den Jérôme Le Noac’h, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses von La Mézière und Kosel, allen Beteiligten vom Krankenbett aus erteilt hatte. Der Aufforderung sind die 62 Koseler – davon 21 Jugendliche unter 14 Jahren und 41 Erwachsene – die im Rahmen der deutsch-französischen Freundschaft am diesjährigen Austausch mit der Bretagne teilgenommen haben, nachgekommen.

Wieder gab es beim bereits 29. Austausch, der in diesem Jahr vom 25. bis zum 31. Juli stattfand, ein buntes Programm: Nachdem die Gäste am Sonnabend herzlich empfangen worden waren, wurden sie ihren Gastfamilien zugeteilt. „Über die Jahre haben sich schon richtige Freundschaften gebildet“, berichtete Kosels Bürgermeister Hartmut Keinberger. Ob Beim Spieletag für alle Teilnehmer mit Grillabend, beim ganz privaten Mittwoch im Rahmen der eigenen Gastfamilie oder beim Abschiedsempfang mit Umtrunk – langweilig wurde es den Teilnehmern bei ihrem kulturellen Austausch auch in diesem Jahr nicht. Auf dem Angebot standen Aktivitäten wie die Besichtigung der „Agrocampus Quest“, eine Hochschule für Agrar-, Lebensmittel-, Gartenbau- und Landschaftswissenschaften in Rennes, und eine Stadtführung durch Vannes. Es gab ein Picknick, es wurde gebummelt und die größte Fotoausstellung Frankreichs unter freiem Himmel besucht. Entlang des Ärmelkanals hatten Gastgeber und Gäste die Wahl zwischen einer 19 Kilometer langen Fahrradtour, einem vier Kilometer langen Spaziergang oder einer Kanufahrt von gleichem Umpfang. An Spaß habe es allen Beteiligten nicht gefehlt, so Bürgermeister Keinberger.

Und trotzdem: „Die Veranstaltung fand natürlich im Schatten der schweren Krankheit von Jérôme statt“, äußerte sich Hartmut Keinberger, ohne dabei auf Details einzugehen. Schon vor Reiseantritt der Gruppe aus Kosel hatte sich der Vorsitzende der Partnerschaft an die Teilnehmer gewandt: „Gesundheitliche Probleme werden es mir dieses Jahr nicht erlauben, dieses Ereignis zu leiten“, hieß es in einem Schreiben seinerseits. Auch dankte er darin einmal mehr den Gastfamilien für ihren „enormen Einsatz zum guten Gelingen dieser Partnerschaftswoche“ und zeigte sich zuversichtlich, dass diese wieder einmal wunderschön sein wird – und das war sie.

Jérôme Le Noac’h wurde bei allem Spaß aber nicht vergessen. Gemeinsam verfassten Gastgeber und Gäste einen Brief an ihren Vorsitzenden, richteten ihm so ihre guten Wünsche aus und ließen ihn durch seine Frau ins Krankenhaus überbringen. Vergangenen Donnerstag erreichte Keinberger schließlich die Nachricht vom Tod des Vorsitzenden. „Jérôme hat unsere Partnerschaft über viele Jahre geprägt“, zeigte sich der Bürgermeister gegenüber unserer Zeitung betroffen.

 
Jana Kringel
943 | 338 Wolfgang Dreesen
Letzte Aktualisierung: 08.08.2015

Quellenangabe und Copyright:
08.08.2015 | Jana Kringel | Eckernförder Zeitung, shz.de
http://www.shz.de