Die kommodige Stuuv im Koseler Hof platzte aus allen Nähten. Bis auf den letzten Platz drängten sich die Gäste bei dem traditionellen plattdüütschen Abend. Die meisten Besucher freuen sich ein Jahr lang auf dieses Erlebnis, wenn es dann heißt „Vorhang auf“. Dort präsentierte die Koseler Speeldeel den Dreiakter „Twee Narren un keen Käfig“ aus der Feder von Wilfried Reinehr, plattdeutsch Übersetzung von Heino Buerhoop. Schnell merkten die Darsteller, dass sie den richtigen Nerv des Publikums getroffen hatten. Die Erwartung an das Ensemble war hoch und wurde voll erfüllt.

Überzeugender konnten die Rollen nicht gespielt werden. Roland Knutschke, gespielt von Klaus Behrens, wird wegen 50 000 Euro homosexuell. Die Zeitschrift „Gay-Today“ schreibt einen Wettbewerb aus. 50 000 Euro gibt es als ersten Preis für das harmonischste schwule Paar. Das bringt Roland auf eine absurde Idee. Er überzeugt seinen zögerlichen Freund Ludwig (Arnd Tweet) und sie üben fleißig das „Schwulsein“. Gar nicht so einfach, wenn man in Wahrheit eher den Frauen zugetan ist und dennoch überzeugen soll. Die Szenen sorgen für wahre Lachsalven im Publikum. Roland übt denn schon mal und rückt auf dem Sofa nahe an Ludwig heran. Er greift Ludwigs Hand und legt sie auf sein eigenes Knie. Dabei himmelt er ihn an: „Dat muttst du all maken, mien Schatz, wie hebbt uns doch leev.“ Ludwig: „ Kiek mi nich so an, mi ward all heel schwul.“ Roland weiß guten Rat. „Stell di eenfach vör, ik weer een smucke Blondine!“.

Während Karin (Anja Unruhe) als Kindergartenleiterin kaum fassen kann, dass ihr hilfsbereiter Ludwig mit einem mal das andere Geschlecht anhimmelt, sorgt die nervige, überaus neugierige Nachbarin Gertrud (Daniela Tweet) für Gerüchte.

Roland tritt eine Lawine los, diese bringt ihn bei seiner attraktiven Nachbarin Sieglinde Söötling (Bianca Suhr) in „Schwulitäten“ und selbst der Bankdirektor (Thomas Suhr) kündigt ihm den ersehnten Bankkredit. Seine Schwester Jutta (Simone Staack-Simon) kann es kaum fassen. Als dann auch noch der Redakteur Lorenz Lorenzen (Frank Spack) von der Zeitschrift seine Verhältnisse und die Harmonie überprüfen will, wird es heikel für ihn und seinen angeblichen Partner. Die Situation scheint nicht mehr zu retten, doch dann erleidet Roland durch einen Unfall Gedächtnisverlust. Kommt nun alles wieder in Ordnung?

Immer wieder überzeugten die Spieler in ihren Rollen, sorgten für Lachexplosionen und ernteten steten Zwischenapplaus.

In der Pause äußerten sich die Besucher euphorisch, Karin Böge aus Eckernförde: „Ich komme jedes Jahr und finde, dieses Ensemble braucht sich nicht hinter dem Ohnsorgtheater zu verstecken. Einfach eine tolle Leistung jedes Einzelnen. Ein Erlebnis.“ Auch für Leonie Unruhe (19) aus Kosel ist die Vorführung wieder einmal sehr gut gelungen. „Ich bin damit groß geworden und freue mich jedes Jahr auf diesen Abend. Plattdeutsch habe ich von meinem Opa gelernt!“

Wer dachte, nach der Pause würde es ruhiger, irrte sich gewaltig, bis zum Schluss blieb es turbulent und spannend. Tosender, kaum enden wollender Applaus und anerkennende Pfiffe des Publikums waren der Dank an das Ensemble.

 
157 | 80 Wolfgang Dreesen
Letzte Aktualisierung: 26.03.2019

Quellenangabe und Copyright:
27.03.2019 | Christel Fries | Eckernförder Zeitung, shz.de
https://zeitung.shz.de/eckernforderzeitung/2048/